Wir schreiben den 16.Juni 2005. Der Tag auf den wir uns wie die Irren gefreut haben, den wir aber auch mit Wehmut und Angst entgegenkommen sahen, ist da. Wir sind bereit per VW-Bus nach Deutschland zu düsen. Ziel unserer Reise ist der Eurospeedway-Lausitzring. Dort soll das Abschiedskonzert der Boehsen Onkelz stattfinden. Jene Band,(durch die wir uns eigentlich kennen gelernt hatten) deren Musik uns nun seit mehr als 20 Jahren begleitete. Sei es wie es sei, zu diesem Zeitpunkt überwog bei uns noch die Vorfreude auf das geilste Konzert des Jahrtausends. Ein Wochenende, dass es in dieser Form so wohl noch nie gegeben hat und welches wohl auch nie wieder kommen wird.

Aber beginnen wir mit der Abfahrt in Simmering. Mit dem ausgeborgten VW Bus sollte es um 10 Uhr losgehen. Betonung liegt auf sollte. Denn unser ungarischer Export war natürlich nicht da um die ausgemachte Startzeit. Und weil’s ja so sein musste, war er auch mittels Handy nicht erreichbar.Tja, was nun.Einfach fahren und ihm, wenn er dann eine halbe Stunde später anruft nur kurz „Pech gehabt“ sagen? Oder eine Stunde warten und dann fahren? Oder ewig warten? A blede Gschicht, noch dazu da keiner der Anwesenden mit ihm einen Treffpunkt vereinbart hatte, sondern einer unserer Freunde, die bereits in der Nacht voraus gefahren waren um die Zelte usw schon einmal aufzubauen. Also beschlossen wir eine Stunde Schonfrist zu gewähren und dann die Reise nötigenfalls auch ohne unsern Ungarn zu beginnen. Kurz vor 11 Kam er dann und meinte nur er habe diese Uhrzeit mit besagtem voraus gereisten Freund vereinbart. Da dieser aber vehement darauf bestand die richtige Abfahrtszeit ausgemacht zu haben, werden wir wohl nie herausfinden, wer schuld an der Verzögerung unserer Abfahrt hatte. Egal…

Wohl gelaunt gings los Richtung Germany. Einer grösstenteils ohne besondere Vorkommnisse verlaufenden Fahrt. Einzig das Duell unseres VW Busses mit einem Lotus Diablo , welchen wir sage und schreibe 3x überholen konnten blieb von der Anfahrt in Erinnerung. Als wir dann zum ersten Mal das Autobahnschild „Klettwitz – Eurospeedway Lausitzring“ sahen kannte unsere Euphorie keine Grenzen mehr. Und exakt nach dem erblicken besagten Schildes gings so richtig los. Stau, wohin das Auge blicken konnte. Alles Onkelzfans auf dem Weg zum Konzert…. Und damit nicht genug, ein Blick auf unsere Tankanzeige trieb uns ein bisserl den Schweiss auf die Stirn. Leer! Wieder mussten wir eine Entscheidung treffen. Im Stau stehen bleiben und warten dass wir irgendwie zum Lausitzring gelangen, oder zur nächsten Raststation fahren und uns dann in den Stau in der anderen Richtung stellen? Wir entschieden uns für die 2te Variante und rollten mit dem letzten Tropfen Sprit zur „Tanke“.

Vollgetankt und beruhigt stellten wir uns nun in den Stau und warteten. Ein Schild sagte uns, dass es noch 1 km bis zum Lausitzring sei. Eine Stunde des Wartens und dem Vorrücken von sage und schreibe 50m liess uns erste Wetten abschliessen, ob wir noch am selben Tag zum Ring kommen würden. Die Mehrheit setzte auf „Nein“, da es bereits 19 Uhr war. Ich für meinen Teil hatte für diesen Tag meine Schuldigkeit getan (war die ganze Strecke gefahren) und beschloss mit dem Feiern zu beginnen. Unser Cheesy war so nett und erklärte sich bereit unseren VW-Bus durch den Stau zu führen. Nach ca 1 Palette Bier und einigen Stunden später rollten wir am Schild „Eurospeedway – 500 m„ vorbei. Allein der Anblick von abertausenden Onkelzfans die Ihre Autos, Busse oder Wohnmobile durch den Stau schoben, da es immer nur für ein paar cm weiterging, war ein Wahnisnn. Knapp vor Mitternacht gings auf einmal rasch weiter. Als wäre nie ein Stau gewesen, gelangten wir nun aufs Konzertgelände. Jetzt galt es nur noch unsere Freunde, welche schon da waren zu finden. Gar ned so leicht, bei mehr als 100.000 Besuchern, 4 Zeltplätzen, 6 Parkplätzen und einem komplett zusammengebrochenen Telefonnetz. Wir wussten zwar den Zeltplatz wo wir hinmussten, dass wars aber auch schon. Mittels SMS und viel beten dass die ankommen würden, schafften wir das Unmögliche und trafen unsere Leute. Den Bus schnell ausgeladen und ab zum Zeltplatz – und jetzt fing die Party erst so richtig an.

An Schlafen war nicht zu denken. 2-3 Stunden ausruhen, aber auch nicht mehr. Auf allen Ecken und Enden hörte man laute Musik, überall wurde die Nacht zum Tag gemacht. Nach dem Ausruhen begann also der erste Konzerttag. Zähneputzn mit Ouzo, danach gleich frühstücken mit Erdäpfelgulasch und Bier. Gibt’s was schöneres? Im Lauf des Vormittages einmal das ganze Gelände erkundet.Also nicht wirklich das ganze, denn 2 Zeltplätze waren ca 1 Std Fussmarsch von unserem entfernt und das wollten wir uns dann doch nicht antun…bis auf Obelix, der meinte er müsse wirklich alles einmal sehen und so stapfte er halt ein paar Stunden lang in der Botanik herum um zu allen Zeltplätzen zu gelangen.In Wahrheit hatte er dort einen weiteren Freund von uns abgeholt (ohne zu wissen auf was für einen Marsch er sich da einlässt) der zu spät angekommen war und halt nur noch auf dem entlegenen Zeltplatz ein Plätzchen fand. Der erste Tag ging eigentlich schnell vorbei…. Mittags einen Abstecher zum Dragster Rennen gemacht, dann die Merchandising Shops geplündert und zum Andenken die Boehse Onkelz Bierdosen gekauft. Dazwischen reichlich Bier getrunken und uns mit deutschen Kulinarischen Schätzen bekannt gemacht. Einige von uns versorgten ihren Magen 3 Tage lang nur mit Buletten, andere nur mit Pizza und andere wiederum nur mit Hamburgern.

Und mir nix dir nix war es Zeit aufs Konzertgelände zu gehen und auf die Onkelz zu warten. Die Vorgruppen waren arm dran. Egal ob Discipline, Motorhead, Machine Head …. Es kam nicht wirklich Stimmung auf. Ganz anders als es dann auf einmal dunkel wurde …der Lärmpegel stieg von 0 auf 100 …die Erde bebte. Die Onkelz enterten die Bühne und rockten ihre vorletzte Show. Die Stimmung war bombastisch..Spass wohin man sah. Und der krönende Abschluss war das Lied „Erinnerungen“ … bei diesem Lied begann es plötzlich zu regnen, ohne dass auch nur eine Wolke am Himmel zu sehen gewesen wäre. Gezeichnet von knapp 3 Stunden Onkelz live begab man sich zurück zum Zeltplatz, um die müden Knochen etwas auszuruhen. Nach kurzer Ruhephase begann auch schon der zweite Konzerttag. Man traf sich gleich in aller Früh mit den Tags zuvor kennen gelernten Rostockern und blödelte den ganzen Tag rum. Dabei stellte sich unser Cheesy als wahre Stimmungskanone heraus. Seine Dialoge mit unseren deutschen Bekanntschaften waren schon fast ungesund für unsere Bauchmuskulatur. Hier einige Auszüge aus seinen Sagern :

.) Dialog mit einem Deutschen „ Du bist ja genauso a Trottl wia i!“

.) Begrüssung eines ihm Fremden von dem er dachte dass er Österreicher ist, der bei uns 3 Paletten Bier um 72 Euro kaufen wollte :“ Ah, endlich a gscheiter Mensch!“ – Antwort in schönstem bayrisch „ Wenn du wüsstest woher ich komm, würdst du ned so redn“

.) Antwort auf die Frage einer Deutschen ob er einen Korkenzieher habe „ Ahh , du blede Sau, dir kann i a ned helfen“ (das „blede Sau“ bezog sich auf ihn selber, da er auf der Suche nach einem Korkenzieher über sein eigenes Zelt stolperte und genau in dem Moment als er stolperte die Antwort gab). Die „blede Sau“ revanchierte sich dann aber bei ihm, als er ihr Snoopy Handtuch kaufen wollte, und sie es ihm um den stolzen Preis von 27 Euro gab. Den von ihm ebenfalls verlangten Snoopy String gab sie ihm aber doch nicht.

Tja…so verging der Nachmittag wie im Rausch und es wurde Zeit schön langsam zum letzten Mal zu einem Konzert der Onkelz zu marschieren. Und je näher wir dem Konzertgelände kamen, desto melancholischer wurde unsere Stimmung. Das Bewusstsein „unsere“ Band zum allerletzten Mal live zu erleben drückte die Stimmung eines Jeden. Während dem Konzert merkte man, dass es nicht nur uns so ging, sondern auch 100.000 anderen. Irgendwie eine ganz komische Gefühlswelt machte sich da am Lausitzring breit. Vom Abfeiern auf der einen Seite bis hin zu tiefster Trauer und Bestürzung über das tatsächliche Ende einer Band, wie es sie wohl nie wieder geben wird. Bezeichnend dann der Satz unseres Ungarn vor dem letzten Lied „ a Wahnsinn wie ruhig 100.000 Leut sein können“. Man hätte in diesem Moment tatsächlich die berühmte Stecknadel fallen hören können. Und beim letzten Lied schoss dann wie besungen der Saft in die Tränenkanäle. Ein jeder ließ die 25 Jahre noch einmal Revue passieren und trauerte. Das Feuerwerk zum Abschluss bekamen die meisten wohl nicht einmal mit.
Tja das wars wohl. Nie mehr warten auf den Erscheinungstermin einer neuen CD, nie mehr die Vorfreude beim Bestellen einer Karte fürs Konzert. Nie wieder die Party am Parkplatz vor dem Konzert. Nie wieder das „Ihr seid die Geilsten“ von Kevin…..
So trugen wohl nicht nur wir den musikalischen Wegbegleiter unserer Kindheit und Jugend zu Grabe. Was bleibt ist ….

EINE ZEIT, DIE MAN NIE VERGISST !!!